Robert Walser - Lebenswege

1878 - 1894 Biel

Am 15. April, Robert Otto Walser wird als siebtes von acht Kindern des Buchbinders und Kaufmanns Adolf Walser und seiner Frau Elisa in Biel, Kanton Bern, geboren. Niedergang des väterlichen Geschäfts. Vom Vater bestimmte Ausbildung bei der Kantonalbank.Tod der Mutter. Robert Walser packt das Theaterfieber, er wirkt in einem Amateurschauspielverein mit und träumt von einer Bühnenlaufbahn.

1895 - 1904 Basel, Berlin, München, Solothurn,
Stuttgart, Thun, Winterthur, Zürich

Anstellung bei einer Bank in Basel. Unterricht bei einem Schauspieler. Wohnung in Stuttgart mit dem Bruder Karl. Mit Karl häufige Besuche des Hoftheaters. Scheitern der schauspielerischen Hoffnungen. Fußwanderung zurück in die Schweiz. Hilfsbuchhalter. Niederschrift vieler Gedichte. Büroangestellter in Thun. Niederschrift von Dramoletten und Prosastücke (Sonntagsblatt des Bund, Wiener Rundschau, Die Insel). Solothurn, Biel, Zürich. Reisen nach Berlin. Umgang mit vielen Schriftstellern und Künstlern, dem Kreis um die "Insel" in München. Niederschrift von Fritz Kochers Aufsätze (> Lesung), Der Commis, Ein Maler. Vorübergehend "Gehülfe" bei einem Erfinder am Zürichsee.

1905 - 1912 Berlin

Ende März erneut Aufbruch nach Berlin. Wohnung beim Bruder, dem bereits erfolgreichen Maler, Grafiker und Bühnenbildner Karl Walser. Besuch einer Dienerschule. Diener auf Schloss Dambrau, Oberschlesien. Niederschrift von Geschwister Tanner, Der Gehülfe, Jakob von Gunten sowie eines weiteren, von einer Asienreise handelnden Romans (später vernichtet). Christian Morgenstern, Lektor des Verlags Bruno Cassirer, wird sein begeisterter Mentor. Bekanntschaft mit vielen Berliner Künstlern, Literaten und Theaterleuten. Außergewöhnlich zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften und Zeitungsfeuilletons. Walser zieht an den Rand des Charlottenburger Westends. Rückzug aus der Gesellschaft. Vermutlich Arbeit an weiteren Romanvorhaben, die scheitern. Sekretär für die Vermieterin. Wieder Mitarbeit bei Zeitschriften.

1913 - 1920 Biel

Rückkehr in die Schweiz. Bezug einer Mansarde im Hotel Blaues Kreuz in Biel. Beginn der Freundschaft mit Frieda Mermet. Tod des Vaters. Vorbereitung der Sammlung Kleine Dichtungen. Dafür erhält Walser auf Anregung Hermann Hesses und Wilhelm Schäfers den Preis des "Frauenbundes zur Ehrung rheinländischer Dichter". Viele Zeitschriften- und Feuilletonbeiträge. Tod des Bruders Ernst Walser in der Nervenheilanstalt Waldau. Für den Verlag Huber Niederschrift von Der Spaziergang (> Lesung). Von einige Buchplänen scheitern einige. Abschluss des Romans Tobold (später vernichtet). Selbsttötung des Bruders und Geografieprofessors Hermann Walser. Viele Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften, trotzdem akute Geldnot. Honorare aus Deutschland gehen häufig verloren.

1921 - 1933 Bern

Kleinere Erbschaft seitens des Bruders Hermann. Arbeit am Roman Theodor (Manuskript geht später nach langer Irrfahrt durch verschiedene Verlage verloren). Enorme Anzahl von Einzelveröffentlichungen in Zeitungen und Zeitschriften (Prager Presse, Prager Tagblatt, Berliner Tageblatt). Erbschaft seitens eines Basler Onkels. Fußwanderung nach Genf. Mehrmalige Wohnungswechsel. Walser tritt aus dem Schriftstellerverein aus. Die Rose erscheint als letztes Buch des Autors. Entwurf der Felix-Szenen, des Räuber-Romans, entstehen des Tagebuch-Fragments. Vergebliche Verlagsverhandlungen. Zahl der Veröffentlichungen geht insgesamt zurück. Im Nachlass viele unveröffentlichte Manuskripte und Entwürfe in winziger Bleistiftschrift (> mikrogramme). Robert Walsers 50. Geburtstag. Schwere Krise, in deren Folge Walser, begleitet von seiner Schwester Lisa, einen Psychiater aufsucht und sich von diesem widerwillig in die Heilanstalt Waldau bei Bern einweisen lässt.

1930 - 1933 Heilanstalt Waldau

Walser erhält in der Heilanstalt Waldau bei Bern ein Einzelzimmer und wird auf seinen Wunsch in den Wachsaal zurückverlegt. Eingeschränkte Fortsetzung der literarischen Arbeit und der Korrespondez mit Redaktionen. Nicht sehr zahlreiche Abdrucke, daneben eine größere Zahl unveröffentlichter Manuskripte. Gelegentliche Besuche von Theateraufführungen. Fortsetzung der literarischen Arbeit. Im Zuge einer Reorganisation der Anstalt wird Robert Walser gegen seinen Willen in die Heilanstalt seines Heimatkantons Appenzell verlegt. Damit offenbar Abbruch seiner schriftstellerischen Arbeit.

1934 - 1956 Anstalt Herisau

Walser zieht sich in ein stilles, angepasstes Patientendasein zurück. Besuch des Zürcher Schriftstellers und Journalisten Carl Seelig, der ihn in der Folgezeit halbjährlich auf Wanderungen begleitet, mit ihm korrespondiert, über ihn schreibt und Geld für ihn sammelt. Seelig wird sein Herausgeber und schließlich auch sein Vormund. Am 25. Dezember 1956 erliegt Robert Walser in der Schneelandschaft bei Herisau einem Herzanfall.