Lesung 2 "Robert Walser: Fritz Kochers Aufsätze"

Astrid Gorvin liest Robert Walser

Astrid Gorvin, Mitwirkende des Ensembles, liest diese frühen Prosastücke, die der junge Autor Robert Walser 1902 in Zürich im Stil eines begabten Schülers verfasst hat und als Aufsätze eines früh verstorbenen Knaben ausgab.

"Fritz Kochers Aufsätze", Robert Walsers Erstling, führt an den Beginn einer unkonventionellen Wirkungsspur und eigenwilligen künstlerischen Selbstverwirklichung des Dichters, der lebenslang ein Knabe bleiben wollte. Geprägt von großer Lebensfreude an allem, was da ist, von einer natürlichen Schlichtheit des Stils, die sich schon hier zur raffinierten Technik ausbildet, sind die fingierten Schulaufsätze das früheste Beispiel der später immer wiederkehrenden Rollenprosa bei Walser, eine frühe Einübung in die Lebenskunst und eine erste Maskerade mit autobiografischen Hintergründen. Dies um so mehr, seit man seit neuestem weiß, das es jenen Schüler Fritz Kocher tatsächlich gab und er nur wenige Plätze vor Robert Walser in dessen Schulzeit die Schulbank drückte.